Das sind doch die im Rollstuhl, oder?

Ich bekam meine Diagnose Multiple Sklerose (MS) im September 2007.

Zu dieser Zeit war ich junge 17 Jahre alt, ging aufs Gymnasium, hatte einen festen Freund und lebte bei meinen Eltern.

Ich hatte in dieser Zeit sehr viel Stress. Ich war immer noch dabei, den Tod meiner Oma zu verarbeiten und mein damaliger Partner machte mir auf Deutsch gesagt „das Leben zur Hölle“.

Erstsymptome- die Suche nach der Ursache

Vorab: Kurz nach dem Tod meiner Oma im März 2007 hatte ich mit Taubheitsgefühlen im Bein zu kämpfen. Es fühlte sich wie 1000 Ameisen an, die über mein Bein liefen. Ich suchte gemeinsam mit meiner Mutter einen Neurologen auf. Der sagte aber, dass ich doch einfach nicht mehr im Schneidersitz sitzen soll. 😡 Da würden die Füße einschlafen. Danke auch! Rückblickend betrachtet hätte ein professioneller Neurologe wahrscheinlich bereits da die Diagnose stellen können… Aber gut.

Wie ich gerade von meiner Freundin erfahren habe, hat es wohl noch weiteres Anzeichen gegeben. Meine unterer Bauch war taub. Damals gingen wir zum Frauenarzt, weil wir dachten, dass das ein Zeichen von Schwangerschaft sein könnte?! 🙈

Nun ja…Im besagten September 2007 hatte ich dann plötzlich mit Problemen an meinem Auge zu kämpfen. Als ich mit den Augen kreiste, verspürte ich starke Schmerzen. Zudem sah ich auf dem Auge schleichend schlechter.

Was macht man, wenn man Probleme mit den Augen hat? Richtig! Man macht sich einen Termin beim Augenarzt, klar. Ich dachte mir, dass das wohl schon eine Bindehautentzündung oder einfach irgendwas am Auge sein wird.

Angekommen beim Augenarzt, teilte mir dieser mit, dass ich heute noch zum Neurologen gehen soll. Es würde irgendwas “nicht stimmen”. Klingt ja wahnsinnig beruhigend, oder?

Ich eilte noch am gleichen Tag zum Neurologen. Der untersuchte mich und kam innerhalb kürzester Zeit zu dem Ergebnis, dass ich jetzt sofort in die Notaufnahme des Klinikums soll.

Ich dachte mir: „Hmm.. mein Vater hat Diabetes. Das kann ja auch auf die Augen gehen. Vielleicht habe ich das ja jetzt auch!“.

Diagnosestellung im Klinikum

Im Klinikum wurden dann zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Die Ärzte entschieden, mich stationär aufzunehmen.

Neben den „normalen“ neurologischen Untersuchungen, wurde u.a. eine Lumbalpunktion durchgeführt. Für diejenigen, die das nicht kennen: Eine Nervenwasserprobe wird aus dem Rückenmarkskanal entnommen. Ich sag´s dir… Ich fand diesen Eingriff schrecklich. Schrecklich aus dem Grund, weil ich nach vorne gebückt auf dem Krankenhausbett sitzen musste und wusste, dass mir gleich eine Kanüle in die Wirbelsäule eingeführt wird, damit das Nervenwasser entnommen werden kann. Natürlich ohne jegliche Betäubung.

Unter folgendem Link kannst du dich informieren, was dein Arzt testet, um die Diagnose MS zu stellen: https://www.leben-mit-ms.de/multiple-sklerose/diagnose-ms-so-wird-die-krankheit-erkannt

Zudem wurde kurz davor meine Zimmernachbarin ebenfalls einer Lumbalpunktion unterzogen. Der Arzt traf leider den Wirbelkanal nicht, weshalb er mehrmals stechen musste. Sie schrie und ich verließ nach dem ersten Mal das Zimmer, weil ich mir das nicht mehr ansehen konnte.

Nach einigen Tagen mit weiteren Untersuchungen kam der damalige Oberarzt zu meinen Eltern und mir ins Zimmer. Er sagte, dass sie nun eine Diagnose stellen können.

„Sie haben Multiple Sklerose“

Ich dachte mir: „Was ist das? Das hab ich doch schon mal gehört.“. Aber mehr damit anfangen konnte ich nicht. „Ist das nicht irgendwas mit Knochenschwund?“

Meine Mutter brach in Tränen aus. Mein Vater legte seine Hand auf meine Schulter.

Ich sah den Arzt mit einem riesigen Kloß im Hals an und fragte: „Werde ich nun sterben? Kann ich trotzdem Kinder bekommen“. Die beiden Fragen waren für mich elementar.

Der Arzt klärte mich umgehend über die Krankheit auf.

Ich werde nicht sterben. Ich kann trotzdem Kinder kriegen. Puh…

Mir wurde zu einer medikamentösen Therapie geraten. Die wollte ich zum damaligen Zeitpunkt nicht beginnen. Ich musste erstmal „klar kommen“. Außerdem redete ich mir ein, dass ich eigentlich gar nichts habe.

Meine Eltern waren schockiert. Sie wussten, dass sie mich nicht zu etwas zwingen können, was ich nicht möchte.

Die Diagnose erstmal sacken lassen…

Die erste Zeit nach der Diagnose empfand ich als sehr belastend. Meine Eltern kauften zig Bücher über MS. Meine Schule wurde informiert, da ich inzwischen auch stark mit der Fatigue zu kämpfen hatte. Es kamen vermehrt Schübe, die sich bei mir immer in Sehnerventzündungen äußerten.

Bei einer Routineuntersuchung in der MS-Ambulanz des Klinikums traf ich dann einen jungen Mann. Er war ca. zwei Jahre älter als ich. Er konnte nur noch mit einem Stock laufen. Wir kamen ins Gespräch. Irgendwie verspürte ich Angst. Angst, dass aufgrund des Verzichtes auf eine medikamentöse Therapie, ein Schub kommen könnte, der mich evtl. sogar in den Rollstuhl zwingen könnte.

Nach der Begegnung mit dem jungen Mann traf ich die Entscheidung mit einer Basistherapie zu beginnen.

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